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Bier auf Wein das lass sein! Was ist dran am Mythos?

Bier auf Wein, das lass sein – Wein auf Bier, das rat ich dir – ist ein altbekanntes Sprichwort, das aus dem düsteren Mittelalter stammt, aus einer Zeit, in der die Menschen ein schweres Leben führten und die Suche nach sauberem und bekömmlichem Trinkwasser zum Alltag gehörte. Reines Quell- oder Brunnenwasser war ein seltenes Gut – und da kommt das Sprichwort ins Spiel. Das keimfreie Wasser fanden die Menschen im Bier und Wein. Außerdem waren die Getränke durch den Alkoholgehalt sehr bekömmlich.

So tranken die Armen das Bier und die Reichen bevorzugten den Wein. Das damalige Luxusgetränk Wein konnten sich nur die Wohlhabenden leisten, die Armen tranken das erschwingliche Dünnbier.

Wein galt damals als Statusgetränk und Weintrinken gehörte zum guten Ton der Oberschicht. Für Wein stand , dass er gesund ist, gesund macht und  ein langes, erfülltes Leben verspricht. Konnte sich allerdings ein Biertrinker irgendwann leisten, auf Weintrinken umzusteigen, dann hatte er einen Aufstieg, um nicht zu sagen, den Aufstieg, in die Elite geschafft.

Und so entstand die Redensart: Bier auf Wein, lass sein!

Klar ist, wenn der Fall umgekehrt war, dass der Weintrinker irgendwann Dünnbiertrinker wurde, war es mit seinem Status vorbei.

Gesundheitlich gesehen, spielt die Reihenfolge der Getränke keine Rolle, aber die Menge macht das Gift aus, denn beide Getränke enthalten Alkohol und der Alkoholkonsum gestaltet sich bei beiden Getränken ab einer Menge gesundheitsschädigend und unverträglich.

Bier und Wein zusammen trinken

Auf vielen Festen ist das Sprichwort – „Bier auf Wein, lass sein“ – ein Trinkspruch, der gern für einen Lacher sorgt. Jedoch ist es völlig egal, ob das Sprichwort bis zu Ende gesprochen oder getrunken wird – „Wein auf Bier, das rat ich dir“ – denn auf die Bekömmlichkeit hat es keinen Einfluss, wenn beide Getränke zusammen getrunken werden. Für die Bekömmlichkeit, oder ob man das Fest betrunken verlässt, ist immer die konsumierte Alkoholmenge zuständig.

Der Alkoholgehalt des Weins wird nicht mehr so stark wahrgenommen, wenn vorher eine hohe Menge Bier getrunken wurde, denn es hat sich im Magen bereits eine Grundlage gebildet. Wein wirkt auf nüchternen Magen noch stärker. Außerdem ist bekannt, dass Alkohol schnell langweilig wird, wenn man den ganzen Abend bei einem Getränk bleibt und als Fazit trinkt man weniger. Trinkt man aber gleich durcheinander, ist die Gefahr immer hoch, dass die Alkoholkonzentration entsprechend konzentriert ausfällt.

Wissenschaftliche Belegung oder Widerlegung – Bier auf Wein, lass sein – Wein auf Bier, das rat ich dir!

Das Team um Mediziner Kai Hensel von der Universität Witten/Herdecke führte seine Studie rund um die Wein-und Bier-Regel durch. Sie fanden dabei heraus, dass es keine Rolle spielt, in welcher Reihenfolge Bier und Wein getrunken werden. Ist es zu viel Alkohol dann kommt die Übelkeit völlig unabhängig von der Reihenfolge. Getestet wurden die Probanden mit Weißwein und Lagerbier.

Die Kontrollgruppen bestanden aus rund 90 Freiwillgen zwischen 19 und 40 Jahren, die in drei Gruppen gleichen Geschlechts eingeteilt wurden mit ähnlichen Body-Mass-Index und Trinkverhalten. Dann wurde wiederum in weitere drei Gruppen aufgeteilt, wobei die erste Gruppe zuerst Bier trank und die zweite Gruppe Wein trank. Das Ziel war 1,1 Promille Alkohol im Blut. Auf das jeweils andere Getränk wechselten sie mit 0,5 Promille. Beim gleichen Getränk blieb hingegen die dritte Gruppe den ganzen Abend.

Außerdem wurde vor dem Test darauf geachtet, dass alle Probanden den gleichen Voraussetzungen unterlagen. Die Teilnehmer bekamen alle zuvor eine standardisierte Mahlzeit. Die Mahlzeit wurde an Alter und Geschlecht angepasst.

Vor dem Schlafengehen bekamen die Probanden alle eine enorme Menge Wasser, sie schliefen in gleicher Umgebung zu einer genau festgelegten Zeit.

Der Zustand der Testpersonen wurde am Tag darauf mit folgenden Symptomen beschrieben:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Durst
  • Übelkeit

Das aussagekräftige Ergebnis ist, dass es für den Kater keine Rolle spielt, in welcher Reihenfolge Bier und Wein getrunken werden, sondern jeder darauf achten sollte, wie er sich fühlt und wie viel er trinkt.

Denn bei zu viel Alkohol kann das Schlafengehen zur Qual werden, weil Herzrasen durch die Intensität des Alkohols das Einschlafen fast unmöglich machen. Außerdem kann es zu Bauchschmerzen kommen.

Jeder sollte darauf achten, dass ein schöner Abend auch ein schöner Abend bleib mit schönen Erinnerungen und nicht mit Filmriss und Übelkeit endet.

Andere Länder – fast gleiche Sprüche

Die Redewendung „Bier auf Wein, lass sein – Wein auf Bier, das rat ich dir“ gibt es vielleicht nicht wortwörtlich übersetzt in anderen Ländern, aber auch in Nachbarländern findet sich „Bier auf Wein, lass sein“ in ähnlichen Sprichwörtern wieder, wie zum Beispiel:

Rumänien:

„Vin pe bere mere, bere pe vin e chin“ – „Wein auf Bier geht, Bier auf Wein ist eine Qual“

England:

„Beer after wine and you’ll feel fine. Wine after beer and you’ll feel queer“ – „Bier nach Wein und du wirst dich gut fühlen. Wein nach Bier und du wirst dich seltsam fühlen“.

Frankreich:

„Blanc sur rouge, rien ne bouge. Rouge sur blanc, tout fout le camp“ – „Rotwein auf Weißwein, nichts bewegt sich. Weißwein auf Rotwein, alles läuft schief“.

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