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Hopfenanbaugebiete in Deutschland

Zusammengefasst:

Die wichtigsten deutschen Hopfenanbaugebiete zusammnengefasst:

  • Hallertau in Bayern
  • das Elbe-Saale Anbaugebiet in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt
  • Tettnang Baden-Württemberg
  • die Region im Spalt in Mittelfranken

Hopfen, Hopfen, Hopfen

Hopfen ist eine wichtige Zutat für die Bierherstellung. Ohne Hopfen kein Bier. Nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 darf auch heute in Deutschland nur mit Malz, Hefe, Wasser und Hopfen gebraut werden. Rund 99 % werden von der gesamten Hopfenernte zum Bierbrauen verbraucht.

Egal, wo auf der Welt Bier gebraut wird – Hopfen ist dabei ein essentieller Bestandteil.

Hopfen ist eine Dauerkultur. Über viele Jahre verbleiben die Wurzelstöcke von gesunden Beständen im Boden. Nur bei der Neueinführung von Sorten werden die Wurzelstöcke gerodet. Im Frühjahr wird der Hopfen zur Verjüngung des Stockes und zur Steuerung des Austriebes bis in das gesunde Gewebe zurückgeschnitten.

Ab Mai wird die Erde zu einem Bifang angeackert. Das Anackern begünstigt die Bildung von Sommerwurzeln.

In Rekordzeit geht es dann im Mai hoch hinaus. Bis zu 30 cm pro Tag wachsen die Pflanzen. Der Hopfen wird in seiner Schnelligkeit beim Wachsen nur von einigen Bambusarten überholt. Er gehört also mit zu den schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt.

Irgendwie ist der Hopfen nicht nur schnell, sondern auch schlau. Genau zu dem Zeitpunkt, wenn die Tage wieder kürzer werden, erreicht der Hopfen die Spitze des Drahtes. Nun beginnt die Fortpflanzung und die Dolden beginnen sich zu bilden.

Bei der Befruchtung des Hopfens gibt es einen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Befruchtung. Die hohe Qualität wird bei den weiblichen Dolden bewahrt. Qualitativ deutlich schlechter dagegen sind die von männlich befruchteten Hopfen.

Die Hopfenernte beginnt Ende August. Die Ernte läuft teilweise auf Hochbetrieb bis in den Oktober hinein. Bis rund 50 cm über dem Boden wird die Hopfenranke mit einem Reißgerät heruntergerissen. Anschließend fällt sie auf einen Anhänger. Wenn der Anhänger voll ist, geht es ab zur Trennmaschine.

Die Ranken werden von Hand in die Trennmaschine eingefädelt. Zu fast 100 prozentiger Reinheit werden die Dolden vom Rest der Pflanze und dem Draht durch eine Hopfenpflückmaschine getrennt. In einem dreistufigen Ofen werden die Dolden danach bei 60 bis 65 Grad Celsius gedarrt.

Durch den Darrturm wird die Feuchtigkeit des Doldens auf 9 bis 10 Prozent verringert. Rund 15 Meter hoch ist der Darrturm.

Damit sich die Restfeuchtigkeit auf dem gesamten Dolden verteilt, werden die Dolden für sechs Stunden in der Konditionierungskammer belüftet. Beim anschließenden Pressen und Verpacken wird der Dolden dadurch nicht zerstört.

Wenn sich nach der Lagerung die Restflüssigkeit verteilt hat, geht der Hopfen auf die Reise rund um den gesamten Globus. Dabei gibt es den Unterschied zwischen getrockneten Dolden oder aber Pellets. Das liegt an der Entscheidung der einzelnen Brauereien, was sie verarbeiten möchten. Ach habt Ihr gewusst es gibt auch ein Hopfenforschungszentrum der Deutsche Gesellschaft für Hopfenforschung e.V. dieses befindet sich in Hüll 5 1/3, 85283 Wolnzach!

Hopfensorten

In jahrhundertelanger Auslese wurden aus den Wildformen des Hopfens die sogenannten Landsorten gezüchtet. Diese Sorten haben meist einen verhältnismäßig niedrigen Bitterstoffgehalt, dafür aber ein gutes Aroma.

Durch Kreuzungszüchtung wurden neben den Aromasorten auch Sorten mit einem höheren Bitterstoffgehalt gezüchtet. Diese Sorten haben aber ein geringeres Aroma. In den deutschen Anbaugebieten haben die Bitterstoffsorten inzwischen einen Anteil von rund 45 Prozent der Hopfenfläche erreicht.

Die Hüller Zuchtsorten zeichnen sich durch ein gutes Aroma und einen hohen Bitterstoffgehalt aus. Besonders stark ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Bei den so genannten Flavo-Hops ist ein neuer Trend in der Hopfenzüchtung zu erkennen. Hier ist das Ziel, neue Aroma-und Bitterqualitäten mit Fruchtaromen bei Hopfen zu erzeugen.

Hopfenanlage

Die Hopfenanlage muss das Gewicht des Hopfens bei jedem Wetter tragen. Das Gewicht des Hopfens kann bis zu 100  Tonnen je Hektar schwer sein. Die Gerüstanlage ist 7 -8m hoch. Pro Hektar sind 112 Masten erforderlich. Im Boden ist ein Netz aus Querseilen und Längsdrähten verankert.

Hopfenanbaugebiete in Deutschland

Der Hopfenpflanzerverband Hallertau e.V. und der Hopfenpflanzerverband Tettnang e.V. erhielten im Jahr 2010; das Elbe-Saale und das Spalter Anbaugebiet erhielten im Jahre 2013 von der Europäischen Union die Erlaubnis, die im jeweiligen Anbaugebiet erzeugten Hopfen unter dem bekannten Herkunftszeichen geschützte geografische Angabe „Hopfen aus der Hallertau“  bzw. „Tettnanger Hopfen“ und „Elbe-Saale Hopfen“ sowie mit dem Herkunftszeichen geschützte Ursprungsbezeichnung den „Spalt Spalter Hopfen“ zu bewerben.

Heute gibt es bundesweit 1.097 Hopfenanbaubetriebe. Durch den Strukturwandel sind es inzwischen 5.000 Hopfenbauern weniger als noch vor 20 Jahren. Jährlich stellen etwa 20 Bauern den Hopfenbau ein. Um auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben, vergrößern die verbleibenden Betriebe ihre Hopfenfläche. Circa 19 ha Hopfen weist der Durchschnittsbetrieb heute auf. 20 Jahre früher waren es 4 Hektar. Zur Zeit gibt es in der Hallertau 886 Hopfenbaubetriebe.

Hopfenanbaugebiet Hallertau 

  • größtes zusammenhängendes Anbaugebiet der Welt
  • Hallertauer Hopfen wird in über 100 Länder exportiert
  • hochspezialisierte Hopfenbaubetriebe
  • Produktion von über 30 Hopfensorten
  • größte und modernste Verarbeitungsbetriebe
  • weltweit führende Hopfenforschung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und der Gesellschaft für Hopfenforschung e.V. im Hopfenforschungsinstitut in Hüll in der Nähe von Wolnzach
  • Hopfensorte u.a.Hallertauer Mittelfrüh (sorgt im Bier für intensive, aber angenehme Hopfenbittere)

Elbe-Saale Hopfenanbaugebiet

  • 1200 ha große Anbaufläche
  • nördlichstes Anbaugebiet Deutschlands
  • folgende Bundesländer sind enthalten: Hopfenanbaugebiet Sachsen-Anhalt (477 ha), Hopfenanbaugebiet Sachsen (362 ha), Hopfenanbaugebiet Thüringen (347 ha)
  • Bewirtschaftung durch 29 Hopfenbetriebe , davon 7 Privatbetriebe
  • im Mittelpunkt steht der Anbau von Bitterhopfen
  • wichtigste Anbausorte ist die Hochalphasorte „Hallertauer Magnum“

Hopfenanbaugebiet Tettnang 

  • agro-kulturelle Landschaft
  • ist das südlichste Hopfenanbaugebiet Deutschlands
  • Fläche rund 1480 ha
  • etwa 7 % des in Deutschland produzierten Hopfens werden hier angebaut
  • macht 2,4% der weltweiten Hopfenfläche aus
  • 70-80 Prozent wird der Tettnanger Hopfen weltweit als einer der Rohstoffe zum Bierbrauen verwendet
  • Schwerpunkt liegt auf der regionalen Landsorte des Echten Hopfens (Humulus lupulus) – das ist der sogenannte Tettnang Tettnanger

Hopfenanbaugebiet Spalt 

  • Spalt wurde das erste Hopfensiegel der Welt im Jahre 1538 verliehen
  • es ist das älteste Hopfenanbaugebiet der Welt und befindet sich in Franken
  • 90% der Hopfenfläche sind heute mit Aroma- und Hocharomasorten bepflanzt
  • Klima und Boden sind in der Spalter Region besonders gut für den Hopfenanbau geeignet
  • durch die Sonnenscheindauer von bis zu 1700 Stunden im Jahr erhält der Hopfen ein besonders edles Aroma
  • a. aktuell angebaute Hopfensorte ist die Spezialaromasorte Cascade, Blanc

Das größte Anbaugebiet in Deutschland

Mit einer Fläche von 16.000 Hektar ist die bayerische Hallertau das größte Anbaugebiet in Deutschland. Außerdem gibt es inzwischen hunderte gezüchtete Hopfensorten, bei denen es große Unterschiede im Aroma und in den Bitterstoffen gibt. Der Anbau der Hopfenpflanzen beziffert sich auf rund 20.400 Hektar.

Wirtschaftsfaktor Hopfenanbau

Nicht nur, dass Deutschland führend im Hopfenanbau weltweit ist, sondern es baut seine führende Position immer weiter aus. Aber auch die Vielfalt an Hopfensorten steigt und die sind wieder dafür verantwortlich, dass immer mehr Bierspezialitäten gebraut werden können. Deutschland ist also nicht nur das Land der Brauereien, sondern auch das Land des Hopfens.

Deutschland hält einen Weltmarktanteil im Hopfenanbau mit 38 Prozent. Damit schafft Deutschland,einen härtesten Konkurrenten, die USA, hinter sich zu lassen.

Auch die Craft Beer Branche hat mit rund zwei bis drei Prozent Weltmarktanteil in der Hopfenbranche erreicht. Klingt vielleicht nicht viel, aber Craft Beer verbraucht  gut ein Fünftel der Welthopfenernte. Hierzulande ist der Marktanteil bei 0,2 Prozent und immer mehr Jungbrauer experimentieren mit neuen Aromahopfen.

Wie groß der Wirtschaftsfaktor Hopfenanbau ist, spiegelt auch die Entwicklung des Hopfenpreises wider. In den letzten zehn Jahren ist der Hopfenpreis um 30 – 40 Prozent gestiegen.

Wissenswertes über Hopfen

 Die angenehme Hopfenbittere entsteht durch die enthaltenen Aromen (Öle und Harze) im Hopfen sowie durch die Bitterstoffe (Alphasäure). Außerdem fördern sie die Schaumbildung und sind Voraussetzung für die Haltbarkeit des Schaumes. Und dies alles ohne chemische Zusätze. Der hopfentypisch angenehme Geruch und Geschmack wird durch das gelbe Pulver in der Hopfendolde (Lupulin) verursacht. Auch in der Medizin trifft man den Hopfen an. Er ist zum Beispiel als Schlaf- und Beruhigungsmittel bekannt (vorwiegend als Hopfen-Baldrian-Kombination).

Das Wachstum von Krebs-Tumorzellen hemmt der Inhaltsstoff Xanthohumol, tötet diese sogar ab. Also auch krebsvorbeugende Eigenschaften werden dem Hopfen zugeschrieben. Zur Arzneipflanze des Jahres wurde der Hopfen bereits im Jahr 2007 ernannt! Im Durchschnitt werden für 100 Liter circa 100g Hopfen benötigt. Für 400 Liter Bier reicht die Erntemenge einer Hopfenpflanze aus. Ägypter und Babyloner verwendeten Hopfen zur Bierherstellung. Hopfenanbau in Deutschland gibt es seit über 1100 Jahren. 860 wird der Hopfenanbau der erste Mal in Deutschland urkundlich erwähnt. Nach dem Erlass des deutschen Reinheitsgebotes im Jahre 1516 nahm der Hopfenanbau zu. Aus einem anerkannten Anbaugebiet kann der Hopfen gesiegelt und verkauft werden.

Weltweiter Hopfenanbau

Nicht nur rund um den Bodensee prägen Hopfengärten bis heute das Landschaftsbild. Und auch nicht nur die weltweite Bedeutung des Tettnanger Hopfens machen die Bedeutung rund um den Hopfen so groß. So wird auch in Österreich, Liechtenstein, Deutschland und in der Schweiz der Aromahopfen in den Brauereien zu regionalen Bierspezialitäten verarbeitet.

Doch das größte Anbaugebiet für Hopfen befindet sich in den USA mit einer Fläche von circa 23.848 Hektar. Deutschland folgt ganz knapp mit seinen Anbaugebieten (20.417 ha).

Mit einer Fläche von über 61.000 Hektar wird weltweit Hopfen angebaut.

Hopfenanbau andere Länder im Überblick

Land (Anbaugebiet)Fläche (ha)
Tschechien (Saaz, Tirschitz, Auscha)5003
China (Xinjiang, Gansu)2457
Polen1762
Slowenien1595
England958
Neuseeland763
Australien700
Spanien562

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